Begegnung mit Johannes Messner

Anton Rauscher

Die Flucht Messners im Frühjahr 1938 über die Schweiz nach England, um der Verhaftung durch die Nationalsozialisten zu entgehen, war ohne Zweifel göttliche Fügung. Jetzt konnte er sich in den Jahren des Zweiten Weltkriegs auf die Aufgabe konzentrieren, das „Naturrecht“ für die Zeit des Wiederaufbaus in Europa zu schreiben. Eine der großen Ideologien, der Nationalsozialismus, war gescheitert. Viele Wissenschaftler hielten Ausschau nach verlässlichen Orientierungen. Messner knüpfte an die großen Denker in Griechenland, im alten Rom, in der Scholastik an. Worauf es ankommt, sind die Grundwerte, die zu jeder Zeit und in jeder Kultur grundlegend sind. In der Moderne sind dies die Menschenrechte, die eine ganz bestimmte Auffassung des Menschen voraussetzen und die sozialen Verhältnisse prägen. Das Naturrecht ist sowohl für die Gesell­schaft als auch für die Kirche prägend.

In Büchern und in vielen Beiträgen nahm Messner zu den großen und kleinen sozialen Problemen Stellung. Seine Sichtweise wurde in den Wissenschaften beachtet und ebenso von Juristen, Politikern und Kir­chenleuten. Öfters besuchte ich Johannes im Herbst in Wien. Da hatten wir Zeit, uns auszutauschen über die Entwicklungen in Österreich und in Deutschland, in Europa. Dabei erlebte ich auch die Spiritualität Mess­ners, die seinen Tagesablauf bestimmte. Die innige Verbundenheit mit Jesus war seine Kraftreserve. Als ich Kardinal König wenige Wochen vor seinem Tode besuchen konnte, wurde mir klar, wie sehr er Messner und sein Werk schätzte. Auf meine Frage, ob er den Seligsprechungs­prozess für begründet halte, antwortete er, Messner gehöre zu denen, die auch in schwierigen Zeiten eine klare Linie vertreten haben. Seinem Werk komme eine bleibende Bedeutung für die Kirche und für die Gesellschaft zu.

Predigt bei der Gedenkmesse für Univ. Prof. DDr. Johannes Messner

Josef Spindelböck

Predigt bei der Gedenkmesse für Univ. Prof. DDr. Johannes Messner (* 16. Februar 1891; † 12. Februar 1984) in der Peterskirche in Wien am 16.02.2018

Liturgische Texte: Freitag nach dem Aschermittwoch

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

34 Jahre sind es her, seit der Diener Gottes Univ.-Prof. DDr. Johannes Messner von Gott aus dieser Welt in die ewige Heimat gerufen wurde. Wir gedenken seiner heute in Dankbarkeit für all das Große, das Gott ihm geschenkt und er durch ihn gewirkt hat! „Predigt bei der Gedenkmesse für Univ. Prof. DDr. Johannes Messner“ weiterlesen

„Ehe“ – neu definiert?

Dr. Maria Raphaela Hölscher

Dr. Maria Raphaela Hölscher

Das am 4. Dezember 2017 veröffentlichte Urteil des österreichischen Verfassungsgerichtshofes (VfGH) hat viele Menschen überrascht und bestürzt. Die Höchstrichter sehen in der Unterscheidung zwischen Ehe und Eingetragener Partnerschaft eine verfassungswidrige Verletzung des Diskriminierungsverbots. Die bisher bestehenden unterschiedlichen Regelungen für verschieden- und gleichgeschlechtliche Paare sollen mit Ablauf des 31. Dezember 2018 aufgehoben werden. Danach soll „Ehe“ künftig auch für gleichgeschlechtliche Paare möglich sein.

Mit ihm definiert der VfGH einen zentralen Begriff um, der über Kulturen, Religionen und Zeitalter hinweg die Ehe als die dauerhafte Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau beschreibt und offen für gemeinsame Kinder ist.

Reaktionen auf dieses Urteil drücken Bestürzung und Unverständnis über die Entscheidung des VfGH aus, beginnend mit Christoph Kardinal Schönborn als Vorsitzendem der Österreichischen Bischofskonferenz: „Es ist beunruhigend, dass sogar die Verfassungsrichter den Blick verloren haben für die besondere Natur der Ehe als Verbindung von Mann und Frau. … Wenn der VfGH die Einzigartigkeit und damit die juristische Sonderstellung der Ehe verneint, die auf der Unterschiedlichkeit der Geschlechter aufbaut, verneint er die Wirklichkeit.“ (Pressemitteilung der KAP vom 5.12.2017). „„Ehe“ – neu definiert?“ weiterlesen