Interview mit Prof. Dr. Rudolf Messner, emeritierter Professor für Erziehungswissen-schaft an der Universität Kassel, dem Neffen von Johannes Messner am 21.7.2018

Die Fragen wurden von Dr. Maria Raphaela Hölscher gestellt

  1. Welche frühesten Erinnerungen haben Sie an Ihren Onkel Johannes Messner?

Es muss im  Feber 1961 gewesen sein, dass mich mein Onkel einlud, ihn in seinem  kleinen, schmalen Arbeitszimmer im 3. Stock der Wiener Caritas-Lehranstalt in der Seegasse, Wien IX zu besuchen. Ich hatte 1960 erfolgreich die Matura an der Lehrerbildungsanstalt abgelegt und stand in meinem ersten Berufsjahr als Volksschullehrer. Daneben hatte ich mit einem Pädagogikstudium an der Universität Innsbruck begonnen. Johannes Messner stand damals im letzten Jahr seiner aktiven Professorentätigkeit an der Universität Wien und wegen seines Hauptwerks, dem „Naturrecht“, im Zenit seines internationalen Ansehens. Im Nachhinein sehe ich es als Glück an, dass das erste Zusammentreffen mit der eindrucksvollen Person meines Onkels erst stattfand, als ich schon ein wenig gereift war. Als angehender Lehrer und Student im ersten Semester aus der Tiroler Provinz war ich von der äußeren Erscheinung des asketisch wirkenden Gelehrten, mehr aber noch von seinem mir freundlich zugewandten Charisma tief beeindruckt. Er hörte interessiert dem von mir Berichteten zu und ergänzte es durch den Verweis auf eigene Arbeits- und Gesundheitserfahrungen, vor allem in seinen englischen Jahren. Nie kehrte er Position und überlegenes Wissen hervor. Mit großer Bescheidenheit schrieb er sein vieltausendseitiges, von mir kaum fassbares Werk nicht eigenem Verdienst, sondern der Hilfe der „höheren Macht“ zu, die ihn wunderbarerweise dazu befähigt habe. Dass auch er von der Begegnung angetan sein musste, bewies mir ein Brief meines Onkels. Er schrieb: „Oft habe ich an Dich gedacht und mich gefreut, dass Du mir viel mehr bist als nur mein Neffe – viel mehr geworden bist in der einen Stunde, die Du bei mir warst. Gerne habe ich von Deinen Arbeiten gelesen…“ (Brief  vom 18.03.1961). Vom Moment der ersten Begegnung an sollte sich über meine gesamte Uni-Karriere hinweg eine enge, niemals getrübte Beziehung zu meinem Onkel entwickeln, die von seiner Seite durch die stete, liebevolle, ja väterliche Sorge für meine wissenschaftlichen Fortschritte und für mein und später auch für meiner Frau Annelies‘ Wohlergehen geprägt war. Ich habe dies seit unserer ersten Begegnung als unverlierbaren Lebensgewinn empfunden. Weiterlesen

Erinnerungen an Johannes Messner

von Lorant Racz

Den standhaften Vertreter der Wiener Schule des Naturrechts, Johannes Messner, in der Kürze eines Beitrages zu charakterisieren ist nicht nur unmöglich, sondern wäre seiner auch unwürdig.

Daher wird der Versuch unternommen, Johannes Messner durch jene Geistesströmungen, Persönlichkeiten bzw. durch die zu seinen Lebzeiten herrschende Gesellschaftspolitik zu skizzieren.

Noch unter  dem Eindruck der kürzlich besuchten Aufführung des Dramas „Die letzten Tage der Menschheit“  von Karl Kraus tauchen  Erinnerungen und Gesichter auf: Dezember 1956 – heimatlos, obdachlos, keinen Groschen in der Tasche wird der Verfasser dieser Zeilen von hilfsbereiten, liebevollen Studenten in ein neu errichtetes Studentenheim der Caritas gelotst und dem anwesenden Direktor der Caritas, Dr. Leopold Ungar vorgestellt. Die hilfsbereite Freundlichkeit, gepaart mit einer intellektuellen Ausstrahlung dieses Priesters war beeindruckend. Wie sich später herausstellen sollte, war es genau dieser Priester, der 1991 anlässlich des 100. Geburtstages von Johannes Messner eine nach diesem benannte Gesellschaft, die „Johannes Messner Gesellschaft“ gründete. Weiterlesen

Interview mit P. Peter Lier Cop

von Dr. Maria Raphaela Hölscher,

29.4.2018

P. Lier, Sie haben Johannes Messner persönlich gekannt, bei welchen Gelegenheiten sind Sie ihm begegnet?

Es war während meines Theologiestudiums an der Uni Wien in den Jahren 1961-1966, nicht nur ich allein habe bei Prof. Messner Ethikvorlesungen besucht, sondern ebenso etliche meiner Mitbrüder. Leider habe ich ihn nicht persönlich getroffen, außer bei Prüfungen, ich bin ja noch Student gewesen und er war mein Professor. Weiterlesen

Begegnung mit Johannes Messner

Anton Rauscher

Die Flucht Messners im Frühjahr 1938 über die Schweiz nach England, um der Verhaftung durch die Nationalsozialisten zu entgehen, war ohne Zweifel göttliche Fügung. Jetzt konnte er sich in den Jahren des Zweiten Weltkriegs auf die Aufgabe konzentrieren, das „Naturrecht“ für die Zeit des Wiederaufbaus in Europa zu schreiben. Eine der großen Ideologien, der Nationalsozialismus, war gescheitert. Viele Wissenschaftler hielten Ausschau nach verlässlichen Orientierungen. Messner knüpfte an die großen Denker in Griechenland, im alten Rom, in der Scholastik an. Worauf es ankommt, sind die Grundwerte, die zu jeder Zeit und in jeder Kultur grundlegend sind. In der Moderne sind dies die Menschenrechte, die eine ganz bestimmte Auffassung des Menschen voraussetzen und die sozialen Verhältnisse prägen. Das Naturrecht ist sowohl für die Gesell­schaft als auch für die Kirche prägend.

In Büchern und in vielen Beiträgen nahm Messner zu den großen und kleinen sozialen Problemen Stellung. Seine Sichtweise wurde in den Wissenschaften beachtet und ebenso von Juristen, Politikern und Kir­chenleuten. Öfters besuchte ich Johannes im Herbst in Wien. Da hatten wir Zeit, uns auszutauschen über die Entwicklungen in Österreich und in Deutschland, in Europa. Dabei erlebte ich auch die Spiritualität Mess­ners, die seinen Tagesablauf bestimmte. Die innige Verbundenheit mit Jesus war seine Kraftreserve. Als ich Kardinal König wenige Wochen vor seinem Tode besuchen konnte, wurde mir klar, wie sehr er Messner und sein Werk schätzte. Auf meine Frage, ob er den Seligsprechungs­prozess für begründet halte, antwortete er, Messner gehöre zu denen, die auch in schwierigen Zeiten eine klare Linie vertreten haben. Seinem Werk komme eine bleibende Bedeutung für die Kirche und für die Gesellschaft zu.

Predigt bei der Gedenkmesse für Univ. Prof. DDr. Johannes Messner

Josef Spindelböck

Predigt bei der Gedenkmesse für Univ. Prof. DDr. Johannes Messner (* 16. Februar 1891; † 12. Februar 1984) in der Peterskirche in Wien am 16.02.2018

Liturgische Texte: Freitag nach dem Aschermittwoch

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

34 Jahre sind es her, seit der Diener Gottes Univ.-Prof. DDr. Johannes Messner von Gott aus dieser Welt in die ewige Heimat gerufen wurde. Wir gedenken seiner heute in Dankbarkeit für all das Große, das Gott ihm geschenkt und er durch ihn gewirkt hat! Weiterlesen

Interview mit Prof. DDr. Rudolf Weiler

Welche Erinnerungen haben Sie an Johannes Messner?

Natürlich habe ich viele Erinnerungen an Johannes Messner, besonders erwähnen möchte ich zwei Reisen nach Mönchengladbach auf Einladung von Prof. Dr. Anton Rauscher, die im Februar 1968 und im Mai 1969 stattgefunden haben. Es war eine Veranstaltung der Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle, ich meine das Thema lautete: „Das Humanum und die Christliche Soziallehre“. Weiterlesen

Interview mit Prof. Dr. Wolfgang Waldstein

Prof. WaldsteinInterview mit Prof. Dr. Wolfgang Waldstein am 3. Juli 2017 von Dr. Maria Raphaela Hölscher

Inwieweit hat Sie die Beschäftigung mit dem Römischen Recht zugleich auch mit dem Naturrecht vertraut gemacht?

Die Beschäftigung mit dem Römischen Recht führt zwangsläufig zum Naturrecht, weil die römischen Juristen von der griechischen Philosophie beeinflusst waren, die griechische Philosophie hatte einen großen Einfluss auf die Juristen. So bin ich zwangsläufig mit dem Naturrecht in Berührung gekommen.

Welche Bedeutung hat das Naturrecht für die aktuelle heutige Situation?

Da möchte ich nur einen Punkt herausgreifen: Das Naturrecht ist längst in der Rechtswissenschaft verankert, daher kann es nicht geleugnet werden. Ebenso ist es sozusagen eine Säule der Soziallehre der Kirche und hat von daher gerade heute eine besondere Bedeutung, die leider oftmals nicht erkannt wird.

Wie haben Sie Johannes Messner kennengelernt und erlebt?

Johannes Messner habe ich einmal – es muss in den 60er Jahren gewesen sein – in Schwaz besucht. In Erinnerung habe ich einen schönen gemeinsamen Austausch und ein interessantes Gespräch, natürlich ging es dabei auch um das Naturrecht. Wir haben uns gut verstanden. Als Gesamteindruck habe ich seine Persönlichkeit als überaus beeindruckend erlebt. Er war ein scharfsinniger Denker und tief gläubig.

Wofür sind Sie Gott im Rückblick auf Ihr Leben besonders dankbar?

Besonders dankbar bin ich, dass ich die Bedeutung des Naturrechts erkannt habe. Es war eines meiner „Grundthemen“ in der wissenschaftlichen Arbeit. Privat bin ich sehr dankbar für meine Gattin, meine Familie und auch die kreativen Fähigkeiten, die Gott mir geschenkt hat, so habe ich große Freude am Schnitzen gehabt, meiner Gattin habe ich meine erste Vollplastik, eine Madonna mit Kind, geschenkt. Mit großer Dankbarkeit denke ich ebenso an die Bergtouren zurück, besonders die am Dachstein, den ich noch im Alter von 80 Jahren zusammen mit meinem Sohn bestiegen habe.

Herr Professor, danke für das Gespräch!