Naturrechtliches Gemeinwohldenken als Grundlage von Demokratie

Dr. Christian Machek

Welche sind die Grundlagen der Demokratie, genauer: der liberalen Demokratie, in der wir heute leben? Es scheint, dass ein Pluralismus und auch ein Werterelativismus ihre Grundlage geworden seien. Könnten diese jedoch für eine Gemeinwohlorientierung der Demokratie ausreichen? Oder ist nicht vielmehr zunächst jene Auffassung richtig, die als Böckenförde-Diktum bekannt geworden ist: „Der freiheitliche, säkularisierte Staat leben von Voraussetzungen, die sie selbst nicht garantieren kann“?

Was ist überhaupt die Demokratie? Herrschaft des Volkes? Gibt es diese (noch)? Es gibt zweifelsohne unterschiedliche Realisierungen von Demokratie, wenn man etwa an die direkte Demokratie der Schweiz im Unterschied zu repräsentativen Demokratien denkt. Es gibt ferner divergierende Demokratietheorien. Wir denken etwa an Rousseau Theorie der Volkssouveränität und seinem volonté generale, dem totalitär der Wille aller unterzuordnen sei. Das Naturrecht hat im Unterschied dazu in der demokratischen Entscheidung immer eine Annäherung an die Wahrheit und der Wahrheit des Gemeinwohles gesehen. Gemeinsam ist in allen Vorstellungen von Demokratie zunächst die individuelle Freiheit. Alle individuelle Anliegen des Volks sollen in der Demokratie idealerweise zu einem Ordnungsganzen zusammengefasst werden. Weiterlesen

Zur Aktualität des Naturrechts für die Weltgemeinschaft

 

Zu Maria Raphaela Hölschers Buch «Das Naturrecht
bei Joseph Ratzinger/Papst Benedikt XVI. Die Bedeutung des Naturrechts in Geschichte und Gegenwart»

von Urs Knoblauch, Kulturpublizist, Fruthwilen /CH

Das Naturrecht bildet eine ethische Grundlage, die für alle Menschen und Kulturen, unabhängig von Weltanschauung, Religion und Kultur gültig ist. Maria Raphaela Hölscher zeigt in ihrem Buch, wie im Verständnis des Naturrechts von Joseph Ratzinger / Papst Benedikt XVI. wissenschaftliche, «philosophische und theologische Hintergründe engstens miteinander verknüpft sind». (S. 15) Dabei wird auch das Werk von Johannes Messner (1891–1984) und Rudolf Weiler (*1928) gewürdigt; ebenso werden zahlreiche Quellen und wissenschaftlichen Arbeiten zum Naturrecht beigezogen. Aktuelle Bezüge zum gegenwärtigen Zustand der politischen Kultur werden hergestellt.

Die naturrechtliche Tradition geht auf Aristoteles und besonders auf die Stoa zurück, «die von der Stimme der Vernunft und dem Gesetz der Natur des Menschen gesprochen hat». (S. 9) Die Autorin betont, dass es in einer «zweieinhalbtausendjährigen Debatte» immer wieder «um einen Maßstab für Moral- und Rechtsgesetze» ging. (S. 14) «Das Naturrecht sei», so Ratzinger, «besonders in der Katholischen Kirche die Argumentationsfigur geblieben, mit der sie in den Gesprächen mit der säkularen Gesellschaft und mit anderen Glaubensgemeinschaften an die gemeinsame Vernunft appelliere. Mit ihm würde die Grundlage für eine Verständigung über ethische Prinzipien des Rechts in einer säkularen pluralistischen Gesellschaft gesucht.» (S. 35) In Bezug auf die Soziallehre der katholischen Kirche zeigt Hölscher, indem sie auf Benedict XVI. bezieht, dass sie «von der Vernunft und vom Naturrecht her argumentiert, das heißt von dem aus, was allen Menschen wesensgemäß ist». (S. 38) Der Mensch als leib – seelische, emotionale Sozialnatur ist mit Vernunft begabt und mit der Fähigkeit zur Transzendenz ausgezeichnet. Weiterlesen

Der Kern des Naturrechts aus der Perspektive der Katholischen Soziallehre

Vortrag von Josef Spindelböck

Vortrag anlässlich des Sommertreffens des Hayek-Clubs Salzburg am 21. Juli 2017 im Hotel Altstadt / Radission Blue, Salzburg

Prof. Josef Spindelböck

Im Vortrag ging Prof. Spindelböck auf philosophische Wurzeln der Naturrechtslehre bei Aristoteles und in der Stoa ein sowie auf naturrechtliche Aspekte im Römerbrief des Apostel Paulus. Daran schloss sich eine Darlegung der Erkenntnis des natürlichen Sittengesetzes („lex naturalis“) bei Thomas von Aquin an. Die Naturrechtslehre wurde schließlich in der jüngeren Vergangenheit erneuert und weiterentwickelt durch Univ.-Prof. Dr. Johannes Messner (+1984), der die existenziellen Zwecke des Menschseins herausgearbeitet hat. Überblicksmäßig ging der Referent des Weiteren auf die naturrechtlich verankerten Sozialprinzipien von Personalität, Solidarität, Gemeinwohl und Subsidiarität ein.

Hier einige Leitgedanken des Vortrags: Weiterlesen

Interview mit Prof. DDr. Rudolf Weiler

Welche Erinnerungen haben Sie an Johannes Messner?

Natürlich habe ich viele Erinnerungen an Johannes Messner, besonders erwähnen möchte ich zwei Reisen nach Mönchengladbach auf Einladung von Prof. Dr. Anton Rauscher, die im Februar 1968 und im Mai 1969 stattgefunden haben. Es war eine Veranstaltung der Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle, ich meine das Thema lautete: „Das Humanum und die Christliche Soziallehre“. Weiterlesen

Naturrecht–zeitlos

Ein Gastbeitrag von Andreas Laun

Als ich das erste Mal den Fuß in einen universitären Hörsaal setzte, gab es in Salzburg einen Benediktiner namens Auer, Professor der Philosophie, der mit viel Emotion und Leidenschaft vom Naturrecht sprach. Ich gestehe, dass ich damals von der mir unbekannten Rhetorik beeindruckt war, aber nicht wirklich verstand. Viel später schlug mir mein späterer Doktorvater vor, über das Naturrecht zu schreiben und zwar mit dem Auftrag, das Naturrecht als Grundlage der Enzyklika „Humanae vitae“ zu widerlegen, ja lächerlich zu machen. Damals herrschte bei den deutschen Moraltheologen das Vorurteil, das Naturrecht sei ein längst widerlegtes Relikt aus einer Zeit der Unfähigkeit, kritisch zu denken. Es sie doch längst klar geworden , dass das Naturrecht ein sumpfiger Boden sei, auf der ein Akademiker keine Theorie aufbauen könne. Weiterlesen

Soziale und ökologische Generationengerechtigkeit

Ein Gastbeitrag von Günter Danhel

Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz, Kardinal Christoph Schönborn, Günter DanhelDer Begriff Generationengerechtigkeit umfasst die Wechselwirkungen des Handelns zwischen unterschiedlichen Generationen in einer Vielzahl von wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Themen und Bereichen.

Gerechtigkeit ist ein grundlegendes Ordnungsprinzip der Gesellschaft. Sie besagt, dass jedem das Seine, d.h. jedem sein Recht zukommt, als Person anerkannt zu werden und ein menschenwürdiges Dasein zu führen.

Unter Generation im chronologischen bzw. temporalen Sinn wird die jeweils durch ihr aktuelles Alter und ihren Geburtsjahrgang bestimmte Gruppe gemeint. Nach dieser Definition leben stets mehrere Generationen gleichzeitig. Weiterlesen

Interview mit Prof. Dr. Wolfgang Waldstein

Prof. WaldsteinInterview mit Prof. Dr. Wolfgang Waldstein am 3. Juli 2017 von Dr. Maria Raphaela Hölscher

Inwieweit hat Sie die Beschäftigung mit dem Römischen Recht zugleich auch mit dem Naturrecht vertraut gemacht?

Die Beschäftigung mit dem Römischen Recht führt zwangsläufig zum Naturrecht, weil die römischen Juristen von der griechischen Philosophie beeinflusst waren, die griechische Philosophie hatte einen großen Einfluss auf die Juristen. So bin ich zwangsläufig mit dem Naturrecht in Berührung gekommen.

Welche Bedeutung hat das Naturrecht für die aktuelle heutige Situation?

Da möchte ich nur einen Punkt herausgreifen: Das Naturrecht ist längst in der Rechtswissenschaft verankert, daher kann es nicht geleugnet werden. Ebenso ist es sozusagen eine Säule der Soziallehre der Kirche und hat von daher gerade heute eine besondere Bedeutung, die leider oftmals nicht erkannt wird.

Wie haben Sie Johannes Messner kennengelernt und erlebt?

Johannes Messner habe ich einmal – es muss in den 60er Jahren gewesen sein – in Schwaz besucht. In Erinnerung habe ich einen schönen gemeinsamen Austausch und ein interessantes Gespräch, natürlich ging es dabei auch um das Naturrecht. Wir haben uns gut verstanden. Als Gesamteindruck habe ich seine Persönlichkeit als überaus beeindruckend erlebt. Er war ein scharfsinniger Denker und tief gläubig.

Wofür sind Sie Gott im Rückblick auf Ihr Leben besonders dankbar?

Besonders dankbar bin ich, dass ich die Bedeutung des Naturrechts erkannt habe. Es war eines meiner „Grundthemen“ in der wissenschaftlichen Arbeit. Privat bin ich sehr dankbar für meine Gattin, meine Familie und auch die kreativen Fähigkeiten, die Gott mir geschenkt hat, so habe ich große Freude am Schnitzen gehabt, meiner Gattin habe ich meine erste Vollplastik, eine Madonna mit Kind, geschenkt. Mit großer Dankbarkeit denke ich ebenso an die Bergtouren zurück, besonders die am Dachstein, den ich noch im Alter von 80 Jahren zusammen mit meinem Sohn bestiegen habe.

Herr Professor, danke für das Gespräch!