VfGH und das „Dritte Geschlecht“ 

Für die Öffentlichkeit überraschend ist am 15.6.2018 ein Urteil des VfGH zur Möglichkeit der Eintragung eines „Dritten Geschlechts in Urkunden“ veröffentlicht worden, dazu eine Stellungnahme der „Plattform Christdemokratie“.

VfGH und das „Dritte Geschlecht“ 

  1. Juli 2018

Letzten Freitag, zu Beginn der Sommerferien, wurde die Entscheidung des österreichischen Verfassungsgerichtshofes (VfGH) vom 15. Juni 2018 zum Thema „Intersexualität und adäquate Bezeichnung“ bekannt. Der VfGH ordnet die Möglichkeit der Eintragung eines Dritten Geschlechts“ in Urkunden an.  Nach dem Erkenntnis zur Öffnung der Ehe „für alle“ hat der VfGH nun innerhalb weniger Monate eine Entscheidung getroffen, die unter Umständen die gesamte Gesellschaft prägen wird und bisherigen Normen sowie der Wirklichkeit widerspricht, denn, wie Christian Spaemann schreibt, „da es von Natur aus nur zwei Geschlechter gibt, auf deren Beziehung das Leben von uns allen beruht, wird es auch in Zukunft nur diese zwei Geschlechter geben“. Weiterlesen

Ein Blick in die heutige Gesellschaft – Versuch einer Antwort

Dr. Maria Raphaela Hölscher

Im Artikel „Kranke Gesellschaft“ in Die Tagespost[1] stellt Stephan Baier die Frage, ob in der heutigen Gesellschaft psychische Störungen zunehmen oder wir bloß immer mehr verweichlichen. Insbesondere die Auswirkungen des Umgangs mit Internet und Smartphone werden von Fachleuten in dem Artikel beschrieben, im Folgenden einige Aussagen.

Samuel Pfeifer, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie in der Schweiz, bemerkt, dass es in den vergangenen Jahren einen unglaublichen Einschnitt durch das Smartphone gegeben habe. Eine enorme Flut würde auf jeden einprasseln und habe eine Beschleunigung des Lebens bewirkt.

Bei jungen Menschen, die mit diesen Technologien aufwachsen, wäre eine Überforderung bemerkbar, ihr Gehirn wäre auf oberflächliche ständige Kommunikation und Informationsverarbeitung fokussiert, für das reale Leben wäre zu wenig Zeit. Weiterlesen

Sollen Christen Kreuze auf- oder abhängen?

Prof. DDr. Elmar Nass, Fürth

Prof. Nass

Da haben wir wieder mal das Kreuz mit dem Kreuz. Landauf, landab wird jetzt in Deutschland – nach der jüngsten bayerischen Verordnung zur Kreuzpflicht in öffentlichen Einrichtungen – auch unter Christen emotional diskutiert, welche Öffentlichkeit denn dieses Symbol bei uns verdient. Und die Wette gewinnt wohl der, der darauf setzt, dass schon bald die Gerichte darüber befinden, wie der Staat es bitte mit seiner religiösen Neutralität halten solle. Ob also diese Pflicht lange rechtswirksam bleibt? Das ist die eine Frage. Wie sollen sich Christen dazu stellen? Das ist die andere Frage. Sollen die Kreuze hin oder weg? Dieser Frage möchte ich nachgehen, hat sich doch soeben der Apostolische Nuntius von Österreich dazu in den Medien deutlich positioniert.

Ich werfe 1.) zunächst einmal einen Blick darauf, was das Kreuz für uns Christen vor allem bedeutet. Dann nehme ich 2.) die kritischen Reaktionen und Befürchtungen sowie die bisher zu hörenden Positionen dazu aus der Kirche in den Blick, die der Nuntius ja aufs Korn nimmt. Anschließend stelle ich 3.) einmal Argumente diesen Kritiken gegenüber und komme dann 4.) zu einem Schlussfazit als Antwort auf meiner Frage. Weiterlesen

Prof. Jan-Heiner Tück zum „Ehe für alle“-Entscheid des Verfassungsgerichtshofs

 

Der Wiener Wiener Dogmatiker Prof. Jan-Heiner Tücknimmt in einem Interview mit Henning Klingen Stellung zum „Ehe für alle“-Entscheid des Verfassungsgerichtshofs (Kathpress-Infodienst; katholisch.at)


Herr Prof. Tück, der Verfassungsgerichtshof hat grünes Licht für die sogenannte „Ehe für alle“ gegeben. Kirchlicherseits reagierten Amtsträger darauf mit teils scharfer Kritik. Stimmen Sie in diesen Chor ein?

In der Sache stimme ich der Kritik zu, denn Ungleiches sollte auch weiterhin ungleich benannt werden. Man kann durchaus begrüßen, dass durch das Urteil einer wachsenden gesellschaftlichen Akzeptanz der Pluralität an Lebensformen Rechnung getragen wird, allerdings hätte es juristisch auch die Möglichkeit gegeben, dem europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zu folgen und die Ehe als Rechtsinstitut von der eingetragenen Partnerschaft zu unterscheiden. Überdies drängt sich der Verdacht einer gewissen Anpassungsbeflissenheit der beteiligten juristischen Eliten auf. Nach dem Motto: Was der große Nachbar Deutschland kann, der in der letzten Plenarsitzung der vergangenen Legislaturperiode im Juni 2017 geradezu handstreichartig die Ehe für alle eingeführt hat, das können wir hier in Österreich auch…! Weiterlesen

Religion nur mehr in Reservaten?

Die Angst vor dem Islam hilft dem religionsfeindlichen Laizismus in Europa, sein altes Lieblingsprojekt voranzutreiben: die Verbannung religiöser Symbole, Werte und Identitätsbegründungen aus dem öffentlichen Raum. Säkularisierungsverlierer sind die Christen, deren Kult, Geistigkeit und Werte dem alten Europa – allen gottlosen Ideologien zum Trotz – noch in Mark und Bein steckt.

Von Stephan Baier

Religion sei politisch nicht mehr relevant. Davon waren die Eliten in Europa bis vor wenigen Jahrzehnten felsenfest überzeugt. Fortschritt wurde weithin mit Säkularisierung identifiziert, Religiosität mit Rückständigkeit. Weltpolitik bedurfte religiösen Wissens scheinbar nicht mehr, denn ein säkularisierter Westen stand einem atheistischen Ostblock gegenüber. Der Rest der Welt würde sich durch Entwicklung und Fortschritt immer mehr dem einen oder anderen religionsfreien System annähern, meinte man. Entsprechend groß war der Schock im Westen, als mit Ayatollah Khomeini eine schiitische Revolution den westlich orientierten Tyrannen Reza Schah Pahlavi im Iran hinwegfegte; ebenso groß war der Schock im Osten, als die Rosenkranzrevolution der polnischen Solidarnosc die Grundfesten der kommunistischen Welt erschütterte. Weiterlesen

Soziale und ökologische Generationengerechtigkeit

Ein Gastbeitrag von Günter Danhel

Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz, Kardinal Christoph Schönborn, Günter DanhelDer Begriff Generationengerechtigkeit umfasst die Wechselwirkungen des Handelns zwischen unterschiedlichen Generationen in einer Vielzahl von wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Themen und Bereichen.

Gerechtigkeit ist ein grundlegendes Ordnungsprinzip der Gesellschaft. Sie besagt, dass jedem das Seine, d.h. jedem sein Recht zukommt, als Person anerkannt zu werden und ein menschenwürdiges Dasein zu führen.

Unter Generation im chronologischen bzw. temporalen Sinn wird die jeweils durch ihr aktuelles Alter und ihren Geburtsjahrgang bestimmte Gruppe gemeint. Nach dieser Definition leben stets mehrere Generationen gleichzeitig. Weiterlesen