Sollen Christen Kreuze auf- oder abhängen?

Prof. DDr. Elmar Nass, Fürth

Prof. Nass

Da haben wir wieder mal das Kreuz mit dem Kreuz. Landauf, landab wird jetzt in Deutschland – nach der jüngsten bayerischen Verordnung zur Kreuzpflicht in öffentlichen Einrichtungen – auch unter Christen emotional diskutiert, welche Öffentlichkeit denn dieses Symbol bei uns verdient. Und die Wette gewinnt wohl der, der darauf setzt, dass schon bald die Gerichte darüber befinden, wie der Staat es bitte mit seiner religiösen Neutralität halten solle. Ob also diese Pflicht lange rechtswirksam bleibt? Das ist die eine Frage. Wie sollen sich Christen dazu stellen? Das ist die andere Frage. Sollen die Kreuze hin oder weg? Dieser Frage möchte ich nachgehen, hat sich doch soeben der Apostolische Nuntius von Österreich dazu in den Medien deutlich positioniert.

Ich werfe 1.) zunächst einmal einen Blick darauf, was das Kreuz für uns Christen vor allem bedeutet. Dann nehme ich 2.) die kritischen Reaktionen und Befürchtungen sowie die bisher zu hörenden Positionen dazu aus der Kirche in den Blick, die der Nuntius ja aufs Korn nimmt. Anschließend stelle ich 3.) einmal Argumente diesen Kritiken gegenüber und komme dann 4.) zu einem Schlussfazit als Antwort auf meiner Frage. Weiterlesen

Interview mit P. Peter Lier Cop

von Dr. Maria Raphaela Hölscher,

29.4.2018

P. Lier, Sie haben Johannes Messner persönlich gekannt, bei welchen Gelegenheiten sind Sie ihm begegnet?

Es war während meines Theologiestudiums an der Uni Wien in den Jahren 1961-1966, nicht nur ich allein habe bei Prof. Messner Ethikvorlesungen besucht, sondern ebenso etliche meiner Mitbrüder. Leider habe ich ihn nicht persönlich getroffen, außer bei Prüfungen, ich bin ja noch Student gewesen und er war mein Professor. Weiterlesen

Religion nur mehr in Reservaten?

Die Angst vor dem Islam hilft dem religionsfeindlichen Laizismus in Europa, sein altes Lieblingsprojekt voranzutreiben: die Verbannung religiöser Symbole, Werte und Identitätsbegründungen aus dem öffentlichen Raum. Säkularisierungsverlierer sind die Christen, deren Kult, Geistigkeit und Werte dem alten Europa – allen gottlosen Ideologien zum Trotz – noch in Mark und Bein steckt.

Von Stephan Baier

Religion sei politisch nicht mehr relevant. Davon waren die Eliten in Europa bis vor wenigen Jahrzehnten felsenfest überzeugt. Fortschritt wurde weithin mit Säkularisierung identifiziert, Religiosität mit Rückständigkeit. Weltpolitik bedurfte religiösen Wissens scheinbar nicht mehr, denn ein säkularisierter Westen stand einem atheistischen Ostblock gegenüber. Der Rest der Welt würde sich durch Entwicklung und Fortschritt immer mehr dem einen oder anderen religionsfreien System annähern, meinte man. Entsprechend groß war der Schock im Westen, als mit Ayatollah Khomeini eine schiitische Revolution den westlich orientierten Tyrannen Reza Schah Pahlavi im Iran hinwegfegte; ebenso groß war der Schock im Osten, als die Rosenkranzrevolution der polnischen Solidarnosc die Grundfesten der kommunistischen Welt erschütterte. Weiterlesen

Der Kern des Naturrechts aus der Perspektive der Katholischen Soziallehre

Vortrag von Josef Spindelböck

Vortrag anlässlich des Sommertreffens des Hayek-Clubs Salzburg am 21. Juli 2017 im Hotel Altstadt / Radission Blue, Salzburg

Prof. Josef Spindelböck

Im Vortrag ging Prof. Spindelböck auf philosophische Wurzeln der Naturrechtslehre bei Aristoteles und in der Stoa ein sowie auf naturrechtliche Aspekte im Römerbrief des Apostel Paulus. Daran schloss sich eine Darlegung der Erkenntnis des natürlichen Sittengesetzes („lex naturalis“) bei Thomas von Aquin an. Die Naturrechtslehre wurde schließlich in der jüngeren Vergangenheit erneuert und weiterentwickelt durch Univ.-Prof. Dr. Johannes Messner (+1984), der die existenziellen Zwecke des Menschseins herausgearbeitet hat. Überblicksmäßig ging der Referent des Weiteren auf die naturrechtlich verankerten Sozialprinzipien von Personalität, Solidarität, Gemeinwohl und Subsidiarität ein.

Hier einige Leitgedanken des Vortrags: Weiterlesen

Interview mit Prof. DDr. Rudolf Weiler

Welche Erinnerungen haben Sie an Johannes Messner?

Natürlich habe ich viele Erinnerungen an Johannes Messner, besonders erwähnen möchte ich zwei Reisen nach Mönchengladbach auf Einladung von Prof. Dr. Anton Rauscher, die im Februar 1968 und im Mai 1969 stattgefunden haben. Es war eine Veranstaltung der Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle, ich meine das Thema lautete: „Das Humanum und die Christliche Soziallehre“. Weiterlesen

Naturrecht–zeitlos

Ein Gastbeitrag von Andreas Laun

Als ich das erste Mal den Fuß in einen universitären Hörsaal setzte, gab es in Salzburg einen Benediktiner namens Auer, Professor der Philosophie, der mit viel Emotion und Leidenschaft vom Naturrecht sprach. Ich gestehe, dass ich damals von der mir unbekannten Rhetorik beeindruckt war, aber nicht wirklich verstand. Viel später schlug mir mein späterer Doktorvater vor, über das Naturrecht zu schreiben und zwar mit dem Auftrag, das Naturrecht als Grundlage der Enzyklika „Humanae vitae“ zu widerlegen, ja lächerlich zu machen. Damals herrschte bei den deutschen Moraltheologen das Vorurteil, das Naturrecht sei ein längst widerlegtes Relikt aus einer Zeit der Unfähigkeit, kritisch zu denken. Es sie doch längst klar geworden , dass das Naturrecht ein sumpfiger Boden sei, auf der ein Akademiker keine Theorie aufbauen könne. Weiterlesen

Soziale und ökologische Generationengerechtigkeit

Ein Gastbeitrag von Günter Danhel

Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz, Kardinal Christoph Schönborn, Günter DanhelDer Begriff Generationengerechtigkeit umfasst die Wechselwirkungen des Handelns zwischen unterschiedlichen Generationen in einer Vielzahl von wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Themen und Bereichen.

Gerechtigkeit ist ein grundlegendes Ordnungsprinzip der Gesellschaft. Sie besagt, dass jedem das Seine, d.h. jedem sein Recht zukommt, als Person anerkannt zu werden und ein menschenwürdiges Dasein zu führen.

Unter Generation im chronologischen bzw. temporalen Sinn wird die jeweils durch ihr aktuelles Alter und ihren Geburtsjahrgang bestimmte Gruppe gemeint. Nach dieser Definition leben stets mehrere Generationen gleichzeitig. Weiterlesen