Naturrecht–zeitlos

Ein Gastbeitrag von Andreas Laun

Als ich das erste Mal den Fuß in einen universitären Hörsaal setzte, gab es in Salzburg einen Benediktiner namens Auer, Professor der Philosophie, der mit viel Emotion und Leidenschaft vom Naturrecht sprach. Ich gestehe, dass ich damals von der mir unbekannten Rhetorik beeindruckt war, aber nicht wirklich verstand. Viel später schlug mir mein späterer Doktorvater vor, über das Naturrecht zu schreiben und zwar mit dem Auftrag, das Naturrecht als Grundlage der Enzyklika „Humanae vitae“ zu widerlegen, ja lächerlich zu machen. Damals herrschte bei den deutschen Moraltheologen das Vorurteil, das Naturrecht sei ein längst widerlegtes Relikt aus einer Zeit der Unfähigkeit, kritisch zu denken. Es sie doch längst klar geworden , dass das Naturrecht ein sumpfiger Boden sei, auf der ein Akademiker keine Theorie aufbauen könne.

Ich begann meine Arbeit, ich lernte dabei viel, aber im Rückblick würde ich sagen: Wirklich verstanden, welchen Schatz ich dabei auszugraben habe, verstand ich erst später, vielleicht erst wirklich, als ich selbst Vorlesungen hielt und das Naturrecht meinen Studenten erklärte! Dabei ist der Grundgedanke eigentlich einfach und mich wundert es heute, dass der akademische Smog der Vorurteile so viele Menschen so lange Zeit erblinden lassen konnte, eigentlich bis heute, wie der Kampf um die Abtreibung beweist: Das Naturrecht ist nämlich die Grundlage des freiheitlichen Rechtsstaates, erklärte Papst Benedikt XVI. den deutschen Politikern bei seiner Rede im deutschen Bundestag, indem er es als Human-Ökologie definierte. Es schützt den einzelnen Menschen vor der Willkür irgendwelcher Regierungen, führte Otto von Habsburg aus. Hans Jonas zerstörte das suggestive, irreführende Dogma von der Kluft zwischen Sein und Sollen anschaulich ad absurdum, indem er auf ein neugeborenes Kind verwies und schrieb: „Ich meine wirklich strikt, dass hier das Sein eines einfach ontisch Daseienden (Kindes) ein Sollen für Andere immanent ersichtlich beinhaltet“. Als in Österreich die Fristenlösung eingeführt wurde, schrieb der österreichische Jurist Wolfgang Waldstein ohne Zögern: „Damit hat Österreich aufgehört, im Vollsinn des Wortes ein Rechtsstaat zu sein.“ Und dieses Urteil trifft heute fast alle Staaten der Welt. Dementsprechend absurde Gesetze wie die „Homoehe“ entstehen mehr und mehr, als ob irgendeine Mehrheit mit einem Beschluss das in sich Unmögliche möglich machen, die Wirklichkeit verändern könnte, und Papst Johannes Paul II. warnte vor der Gefahr einer Diktatur der Mehrheit. Johannes Messner soll auf die Frage, wie man Naturrecht definieren könne, ironisch geantwortet haben: „Definieren Sie Gemüse, dann definiere ich Naturrecht!“

Bekannt ist auch die Erkenntnis: Wenn man das Naturrecht durch die Türe verjagt, kommt es durch das Fenster zurück. Alle Menschen sind von Geburt an Naturrechtler. Tatsächlich entbehrt es nicht einer gewissen Komik, wie Leute, die „Naturrecht“ ablehnen, bei ihren Lieblingsthemen wieder beginnen, geradezu tollpatschig aus dem tatsächlichen Sein einer bestimmten Neigung wie etwa gleichgeschlechtlicher Anziehung wieder ein Sollen oder Erlaubt abzuleiten versuchen und sogar zu frevlerischen Forderungen wie einem Menschenrecht auf Abtreibung gelangen. Nein, es ist und bleibt dabei: Ohne Naturrecht, ohne ein höheres, über aller Menschensatzung stehendes Recht, gibt es keine Rechtsstaatlichkeit, gibt es übrigens auch keine berechtigte Revolution, kein Aufstehen gegen bestehendes, staatlich festgeschriebenes Unrecht. Denn dabei muss man sich immer auf ein höheres, dem Staat übergeordnetes Gerechtigkeit berufen, sonst geht es einfach nicht und man setzt sich selbst in ein neues, eben wieder nur von Menschen gemachtes Unrecht.

Der Kampf gegen das Naturrecht wird selten sachlich geführt. Warum hasst man das Naturrecht? Vordergründig, weil es auch missbraucht wurde, zum Beispiel zum Erhalt eigener Macht als „Recht des Stärkeren“ oder andere versuchten, biologische Realitäten als gottgewollte Gebote zu deuten und damit das Naturrecht lächerlich machten. Aber im Hintergrund derer, die heute davon nichts wissen wollen, steht im Grunde das Nein zu Gott und seiner Ordnung.

Über den Autor: Andreas Laun (Wikipedia-Eintrag)

 

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